Ein ganz besonderes Fleckchen Erde befindet sich im oberöstereichischen Salzkammergut an einem von Bergen umgebenen See: Hallstatt
Die malerische Naturkulisse, die jahrtausendalte Geschichte und der virale Boom in Asien machen Hallstatt so beliebt. Eine identische Kopie des Dorfes wurde sogar 2012 in einer Provinz in China nachgebaut.
Die Region Salzkammergut trägt diesen Namen jedoch nicht ohne Grund, da hier in dieser Region der Salzabbau und Transport seit jeher eine wichtige Rolle gespielt haben.
Die Bergbaugeschichte Hallstatts, das Handwerk, archäologische Funde, historische Architektur, Gletscher & Eishöhlen, der Dachstein - als dies gehört heute zum UNESCO Weltkulturerbe.
Zeit für einen kleinen Ausflug nach "Saltlake City" am Hallstätter See. Wir haben 2 Tagesausflüge in der Region getestet!
Lust auf etwas Geschichte?
Geschichte:
Bereits 5000 Jahre v. Chr. wurde in Hallstatt aufgrund der geologischen Bedingungen Salz entdeckt und abgebaut.
- In der Jungsteinzeit geschah dies mit einfachen Mitteln: Hirschgeweihe, Holzpickel oder scharfe Steinplatten wurden für den groben Abbau von Salzbrocken verwendet.
- In der Bronzezeit wurden für den beschwerliche Abbau Bronzepickel, Holzschaufeln und Träger genutzt. Sehr oft arbeiteten auch Kinder unter Tage und der harte Alltag wurde in der (Familien)gruppe bewältigt.
- In der Eisenzeit (500 v. Chr.) boomte der Salzabbau, weil nun stabiles Eisen für wiederstandsfähige Werkzeuge nutzbar war. Durch den massiven Handel gab es immer mehr reiche Salzfürsten, was wiederum Reichtum in die Region brachte. ("Hallstattzeit") Dies zeigen einige gut konservierte Gräber mit Beigaben aus Elfenbein, Bernstein, Schmuck und Eisenschwerter.
- In der römischen Kaiserzeit (15 v. Chr.) wurde die Salzgewinnung komplett industrialisiert. Statt umständlicher Abbaumethoden, wurde nun Sole produziert: Dabei wird Wasser in den Berg gespült und mit Salz angereichert. Danach wird dieses Salzwasser ausgespült und im Freien in Pfannen gesiedet, bis nur noch Salz übrig bleibt.
- Im Mittelalter erhielt Hallstatt das Marktrecht (1311) und konnte nun das Salzmonopol weiter aufbauen. Die Erfindung der Sudhütte (mit Sudpfanne) und die Ableitung der Sole ins Tal optimierten die Salzverarbeitung. Privilegierte Händler übernahmen als "Salzfertiger" eine neue Tätigkeit: Sie nutzten das feuchte Salz, dörrten und verpackten es in Kisten. Da in der bergigen Region kaum Landwirtschaft möglich war, tauschten sie Salz gegen Lebensmittel & Wein. Mit dem gewonnen Reichtum wurde die Maria Himmelfahrt Kirche gebaut.
- In der frühen Neuzeit entstand aufgrund der massiven Abholzung für die Siedereien ein logistisches Problem, da die umliegenden Wälder erschöpft waren. Die Lösung war ein einzigartiges Projekt: eine 34km lange Industrie-Pipeline nach Ebensee. 1595 begann der langjährige Bau der Soleleitung mit 13.000 ausgehöhlten Baumstämmen.
- Rund 150 Jahre später brannte der gesamte Ortskern von Hallstatt ab, da die Häuser aufgrund Platzmangels dichtgedrängt gebaut waren. Der Neuaufbau mit baroken und spätgotischen Häusern stammt aus dieser Zeit.
- Der Zugang nach Hallstatt über eine befestigte Strasse gelang erstmals 1890 durch Sprengungen am Bergmassiv. Bis zu diesem Zeitpunkt war der Ort recht isoliert und konnte nur mit Boote erreicht werden!
Als wichtigstes Handelsgut war das weisse Gold für die Region Salzkammergut ein überaus wertvolles Produkt und im Salzspeicher Linz stark bewacht. Ab 1300 n. Chr. entwickelte sich die Salzschiffahrt (Traun) als kompletter Wirtschaftszweig und Salz wurde in Salzzillen unterwegs auf dem wichtigsten Transportweg Richtung Linz. Bis 1911 wurde das Hallstätter Salz mühsam auf dem Wasserweg bis zum Endhafen (Oberösterreich) verschifft. Was hier so Besonders ist: Die tonnenschweren Salzschiffe wurden bis nach Linz mit der Strömung gerudert, der Rückweg der leeren Schiffe gegen die Strömung wurde mit schweren Norikerpferden bewerkstelligt. Info Naufahrt
Tourismus:
Während in Hallstatt aktuell nur rund 740 Einwohner leben und wenig Geschäfte vorhanden sind, ist der Tagestourismus mit teils 10.000 Besuchern ein unglaubliches Spektakel, aber auch Belastung. Wer in Hallstatt übernachten möchte, sollte sich ein ruhiges Zimmer abseits der Innenstadt suchen. Asiatische Touris stehen ständig und überall mit gezückter Kamera bereit und scheuen sich nicht davor im privaten Vorgarten zu trampeln, um das beste Foto der Naturlandschaft zu erhalten! Aus diesem Grund wurden in letzter Zeit viele Zaunflächen montiert, um wenigstens etwas Privatsphäre für die Einheimischen zu erhalten. Noch dazu ist die Innenstadt sehr bergig und besteht aus engen Gassen, man muss das Gepäck über viele Stufen tragen und behindertengerecht ist Hallstatt eher nicht. Wer sich trotzdem durch den Ort schlängelt, kann einiges bestaunen.
Anreise:
Die schönste Zeit für einen Ausflug ist Mai bis September.
- Linz - Hallstadt 2h (Auto oder Bahn)
- Wien - Hallstadt 3,3h
- Salzburg - Hallstadt 1,5h
Ausflug 1: Hallstätter Salzwelten
Start: Kohlstattweg 77. Parkplatz P2
(Ankunft vor 9.30 Uhr planen!) 6h =12€
9.00 Uhr Hallstädter Salzbergbahn
Die Bergbahn fährt täglich zwischen 9.00-18.00 Uhr.
Der Eintritt für das Bergwerg (90min geführte Tour) und die Bahn (Berg & Talfahrt) kostet 49€ für Erwachsene /23€ Kinder. Online buchen spart Wartezeit!
Sobald man mit der Bahn den Salzberg erreicht, liegt noch ein kleiner Fussmarsch (650m, aber steil = 15min) vor uns. Die ganze restliche Strecke inkl. Stollen ist nicht barrierefrei und teilweise recht anstrengend zu gehen (Treppen, enge Wege).
9.30 Uhr: Die Tour (Bergwerk) startet dann pünktlich im Knappenhaus (Museum) und mit echter Bergmannkleidung ausgestattet begibt sich die Besuchergruppe dann in den dunklen und kalten Stollen. Von den rund 30km unterirdischen Wegen bewegt sich die Tour auf 1km in verschiedenen Tiefen. Zwischendurch kann man über 2 Holzrutschen in das tieferliegende Areal rutschen und auf der längsten Holzrutsche einen Speedrekord aufstellen! Ein Foto kostet 10€...
Die historische Entwicklung- und Entstehungsgeschichte (Bergbau) aber auch der heutige Abbau per Soleleitung wird recht spannend erklärt. Der Unterschied zwischen Steinsalz (voller Mineralstoffe) und gereinigtem Industriesalz (aus Sole) ist faszinierend und wichtig zu wissen.
Nach der Rückkehr zum Ausgangspunkt kann man das Foto von der Rutsche kaufen und im Aussenbereich verschiedene Stationen besichtigen.
11.15 Uhr Aussichtsplattform Skywalk
Der Skywalk befindet sich neben dem Ausgang der Bergbahn (Fahrstuhl), man muss also zuerst wieder vom Bergwerk zurückgehen (650m). Wer schwindelfrei ist, kann sich auf die dreieckige Aussichtsplattform stellen und die Panoramaaussicht genießen.
11.30 Uhr Restaurant Rudolfsturm oder im Salzwelten-Haus besuchen.
12.30 Uhr Rückweg möglich:
A) mit der Bahn möglich (falls es regnet) oder
B) Abstieg zu Fuss über die Müllerstiege (Hallstätter Wasserfall) jedoch nicht für Kleinkinder geeignet. Steiniger Wanderweg ca. 35min, aber tolle Aussicht auf das Dachsteingebirge.
13.15 Uhr Besuch Pfarrkirche &Friedhof.
Hier gibt es wieder eine spannende Zeitgeschichte zum Thema Beinhaus zu entdecken: Aufgrund der räumlichen Begrenzung in Hallstatt, konnte der Friedhof nicht unendlich erweitert werden. Man entschloss sich daher, die Gräber nach 12-15 Jahre zu öffnen, damit der nächste Verstorbene einen "Liegeplatz" bekommt. Die Gebeine wurden gereinigt und verziert, mit Namen beschriftet und im Beinhaus systematisch sortiert (nach Familien) eingelagert. Die letzte Umlagerung war 1995.
13.45 Uhr Marktplatz Hallstadt & Statue der heiligen Dreifaltigkeit
Der kleine zugebaute Marktplatz erinnert täuschend echt an 'Arendal' und überhaupt könnte Hallstatt als Vorlage für den Disneyfilm "Frozen" herhalten. Hier befinden sich einige Restaurants, Coffee Shops und auch Gmundener Keramik. Zeit für einen Apfelstrudel, Schaumrollen oder ein Frozen Yoghurt!
14.30 Uhr Welterbemuseum
Wer weiter durch die beschaulichen Gassen schlendert, gelangt zur Seestrasse und findet dort das Museum. Beeindruckende Ausstellungen, historische Werkzeuge und viel Hintergrundwissen zur Hallstattzeit werden hier übermittelt. Besucher zahlen 12€ Eintritt.
Folgt man der Seestrasse weiter Richtung Landungsplatz (Hallstatt Lahn), erreicht man nach ungefähr 15min wieder den Parkplatz P2. Um weitere Parkgebühr zu sparen, lohnt es sich nun zum Geheimspot im Tunnel zu fahren. Hier kann man 90min gratis parken und Essen gehen, weil eine Treppe (Müllerstiege) direkt zum Marktplatz führt.
17 Uhr: Abendessen mit Aussicht
Auch vom Umherschlendern und Treppensteigen wird man schnell hungrig. In direkter Nähe befinden sich 3 gute Restaurants:
- Seewirt Zauner mit Balkonterasse (Wiener Schnitzel 29€ /Kaiserschmarrn 14,50€
- Seehotel grüner Baum
- zum Baader
Ausflug 2: Dachstein
9.00 Uhr Dachstein Krippenstein. Parkplatz in Obertraun (5€ pro Tag) Eine Stunde kann man sogar gratis parken. Die Tickets sind recht teuer: 46€ Erwachsene / 25,70€ Kinder / 11,50€ Hund.
Tickets
Die Gondeln fahren alle 15min und man kann beliebig oft die 3 Teilstrecken hoch und runterfahren. Im Preis (Dachstein All-In One) inkludiert ist der Besuch der Eishöhle und Mammuthöhle (Bergstation 1). Hunde müssen einen Maulkorb tragen.
9.30 Uhr Ankunft Mittelstation. Auf jeden Fall sollte man eine Jacke mitnehmen, da bereits die Mittelstation auf 1340m Höhe wettertechnisch abwechslungsreich ist und hier die beiden (3°C kalten) Höhlen zu besichtigen sind. Eine Anmeldung zur nächsten Führung ist direkt bei der Mittelstation zu erledigen. Der Wanderweg bis dahin ist nochmal jeweils >20min (steil) und diverse Ausstellungen warten auf und.
10.00 Uhr Riesen-Eishöhle
11.00 Uhr Mammuthöhle
12.00 Uhr Mittagessen. Das "Erlebnisrestaurant" Schönbergalm ist leider nicht empfehlenswert, die Preise & Qualität unterirdisch (siehe Google Bewertungen). Lieber weiter hoch zur Bergstation! Grundsätzlich ist die Gastronomie auf dem Dachstein sehr optimierungsbedürftig und wir hatten zum Glück einige Snacks dabei.
Die nächste Station ist wieder mit der Gondel oder zu Fuss erreichbar: Bergstation auf 2069m.
Hier weht ein ordentlicher Wind und kalt ist es natürlich auch, eine warme Jacke also obligatorisch.
12.15 Uhr Bergstation: Bergrestaurant oder Lodge. Ein traumhafter Ausblick und im Sommer kann man das Essen auf der Terasse genießen. Direkt bei der Station befindet sich eine Panoram Aussichtsbank mit Blick auf die Alpen und Gletscher.
Danach geht es weiter zu den Hotspots:
- Welterbespirale (15min Weg) mit 360° Blick
- 5 Fingers (Aussichtsplattform 30min Weg)
- Dachstein Hai (40min Weg ab Station)
Je nach Wetter kann man also alle 3 Hotspots besuchen (Feste Wanderschuhe mitnehmen!) und danach zu einer Alm runterfahren.
15 Uhr: Station 3 - Gjaid Alm oder wieder retour zur Talstation
Hier ist noch eine nostalgische Gondelbahn in Betrieb, Sehenswürdigkeiten gibt es jedoch keine. Die Alm ist eher Startpunkt für weitere Wanderrouten.
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