Samstag, 17. Mai 2014

Keimfreiheit im Haushalt

Überall lauern sie auf uns, man kann ihnen nicht entkommen!
Die Rede ist nicht von Bakterien, sondern antibakteriellen Handwaschmitteln oder Hygienespülern für die Wäsche. Seit der großen Berichterstattung über humane Noroviren, die Erbrechen und Durchfall auslösen, will jeder seine Wohnung keimfrei machen.
Noch dazu wird Wäsche nicht mehr nur gewaschen, sondern desinfiziert.

Doch ist so eine künstlich erzeugte Keimfreiheit letztendlich nicht gefährlich?


Warum ein zu "steriler" Haushalt später sogar Krankheiten auslösen kann...


Haushaltsreiniger:
Antibakterielle Waschzusätze gibt es seit einigen Jahren zu kaufen, um vorallem junge Eltern von einer keimfreien Umgebung für ihr Baby zu überzeugen. Sauber ist heutzutage nicht mehr genug, es muss komplett 100% rein sein. Also wird fleißig bei jedem Waschgang ein sog. Hygienespüler dazugegeben, um die bösen Bakterien zu töten, weil normales Waschmittel angeblich die Keime nicht ausreichend entfernen kann.

Dieses Werbeversprechen wurde jedoch nun durch mehrere Studien widerlegt. Am Institut für Hygiene und Umweltmedizin (Universität Greifswald) sieht man solche Chemiebomben eher kritisch an.

""Ich halte davon gar nichts - selbst wenn ich Kranke im Haushalt pflege, wäre das die große Ausnahme, weil die meisten Krankheitserreger thermolabil sind. Das heißt, bei 55, 60 Grad werden die sicher inaktiviert im Waschprozess.
Auch bei Fußpilz, Durchfallerkrankungen oder Tuberkulose reicht es laut Kramer aus, Kleidung oder Handtücher bei 60 Grad zu reinigen. Wenn niemand im Haushalt krank ist, ist nicht einmal das erforderlich, sagt Philip Heldt, Toxikologe bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen." Link

Erwachsene:
"Auch bei Erwachsenen kann der Organismus empfindlich auf Hygiene-Spüler reagieren oder Allergien entwickeln. Das hängt von den Wirkstoffen ab und davon, wie großflächig und wie lange die Haut mit ihnen in Kontakt kommt. Deshalb warnt Kramer davor, die Mittel für Handwäschen zu benutzen. Außerdem könnten Bakterien auf Dauer gegen antibakterielle Waschmittel resistent werden, so dass bei betroffenen Menschen zum Beispiel das Antibiotikum gegen eine Lungenentzündung nicht mehr wirkt."



Babies:
"Unsere Umwelt ist schließlich auch nicht steril, erklärt Heldt weiter. Daher schaden antibakterielle Waschmittel eher als dass sie nutzen. Wenn man jetzt in einer sterilen Umwelt aufwachsen würde, dann hat man auch einfach ein viel höheres Risiko, Allergien zu bekommen. Der Körper braucht ja auch durchaus immer den Kontakt mit Mikroorganismen, um das Immunsystem zu trainieren und dann im Ernstfall, wenn wirklich 'n Krankheitserreger kommt, dem auch widerstehen zu können."
Das bestätigen auch die medizinischen Untersuchungen von Axel Kramer: Es ist gesünder, mit einer normalen Umgebungsflora und einer normalen Körperflora zu leben und aufzuwachsen.
"Ich tausche mit meinem Baby als Mutter meine gesamte Flora aus, und das ist gut so. Und das Baby braucht geradezu diese natürliche Flora als Schutz vor der Ansiedlung von Krankheitserregern. Also, es ist völlig widersinnig, dann plötzlich die Wäsche in Anführungsstrichen desinfizierend zu waschen."  " Link



"Diese Desinfektionswut tötet nicht nur Krankheitserreger sondern vor allem jede Menge nützliche Keime. Studien zeigen, dass Kinder, die in einer zu sauberen Umgebung aufwachsen, ein erhöhtes Risiko für Allergien haben. Als Ursache vermutet man, dass das Immunsystem von Anfang an eine bestimmte Dosis an "Schmutz" und die darin enthaltenen Keime und Mikroben braucht, um keine Allergieneigung zu entwickeln.
Hinzu kommt, dass Desinfektionsmittel die Haut angreifen. Sie stören das sensible Zusammenspiel von Mikroorganismen, die die Haut vor Schäden schützt. Mögliche Folgen: Ekzeme.

Und noch etwas spricht dafür, die mikroskopisch kleinen Lebewesen in Ruhe zu lassen: Die Zunahme die Antibiotika-Resistenzen. Unsere wichtigsten Mittel im Kampf gegen krank machende Bakterien werden schwächer, weil wir zu verschwenderisch mit antibakteriellen Substanzen umgehen. Nicht nur im Großen, bei der Behandlung von Krankheiten, sondern auch im Kleinen, beispielsweise bei der Desinfektion im Haushalt."  Link


Fazit: Weniger ist mehr!
Normale Waschmittel reichen vollkommen aus, um schädliche Bakterien abzutöten. Das Aufhängen in der starken Sonnen tut den Rest.
Bei niedrigen Waschgängen (30°C) reicht ein bleichehaltiges Waschmittel auch aus.

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