Donnerstag, 28. November 2013

Amazon streikt vor Weihnachten?

Wohl eher nicht! In den letzten Tagen haben sich mal wieder kritische Stimmen zum Thema "Sklavenarbeit" bei Amazon erhoben. Neben angeblich unmenschlichen Arbeitsbedingungen und schlechten Entlohnungen wird die strikte Überwachung (ala Big Brother) bemängelt.

Aber ist das wirklich nur ein Problem von Amazon? Ich denke nicht.
Immer häufiger höre ich jetzt von (früheren Amazonkunden) die Aussage, dass sie dort nichts mehr kaufen und Amazon grundsätzlich boykottieren wollen.



Doch macht das auch wirklich Sinn und ist das konsequent?




Grundsätzliches zur Logistikbranche:
Allgemein sollte jeder Kritiker wissen und beachten, dass in der Logistikbranche und somit bei allen Versandhäusern "Zeit gleich Geld" ist. Die Kunden und somit die Bestellungen müssen zeitnah bearbeitet werden, da niemand gerne auf seine Ware wartet. Eine hohe Kundenorientierung (wie bei Amazon) ist nur möglich, indem man 2 Dinge intern bewältigt:

1. schnelle Logistik (Wareneingang, Warenausgang, Versand)
2. problemlose Reklamation (& Umtausch) SERVICE & KULANZ

Diese schnelle Abwicklung und der rasche Versand ist natürlich nur möglich, wenn im Logistikbereich (also Lager) die Mitarbeiter entsprechende geschult sind und der Warenfluss nur wenige Stunden dauert.

Der klassische Versandhandel (Quelle, Otto, Neckerman) ist praktisch zum erliegen gekommen und in genau diese Niesche hat sich Amazon gezwängt.
Schuld daran sind aber nicht irgendwelche Geschäftsführer, sondern die Kunden (WIR). Die "Geiz ist geil"-Mentalität ist schon seit Jahren in unsere Köpfen und aufgrund dieses Preisdrucks mussten die Versandhäuser Einsparungen vornehmen.

Wenn die Kunden nicht mehr die teure Bettwäsche oder die Markenjeans aus dem Katalog bestellen, muss zuerst an den Lohnkosten und später am Werbematerial (Kataloge) gespart werden. Amazon produziert keinen eigenen Hochglanzkatalog, setzt dafür aber stark auf Werbung und Kundenrabatte (Cyber-Monday, Adventskalender) und genau diesen Umstieg haben die alten Versandhäuser übersehen. Aktuell besteht nur noch das Otto Versandhaus und das auch nur weil genügend finanzielle Mittel für solche Krisenzeiten vorhanden sind (Konzern). 
Amazon bietet hingegen deutlich optimierte Kundenrabatte und arbeitet seit Jahren stark kundenorientiert.

Daher ist es nicht verwunderlich, dass gerade solche Großkonzerne wie Amazon, Aldi und Nivea bei den Kunden (den Käufern) angesehen sind und ein hohes Vertrauen (Wiederbestellung!) haben.

Denn erfolgreich wird man nur durch einen Grund: Kundenwünsche erfüllen!



Warum ist Amazon so erfolgreich?

  • Ein Großteil des Erfolges beruht jedoch auf der Tatsache, dass Amazon nur einen kleinen Teil des angebotenen Sortiments selbst lagert und verschickt. Im Prinzip ist Amazon immer mehr eine Verkaufsplattform für fremde Händler. Amazon erhält selbst eine Provision dafür und muss sich nicht um die Logistik kümmern. Trotzdem ist das Angebot dadurch vielfältig und lockt Millionen Kunden an. Eigentlich eine geniale Idee (wie ebay)!

  • Der zweite Erfolgspunkt besteht in der täglichen Verfügbarkeit der Produkte. Früher hat man 2-3 jährlich einen dicken Katalog von Otto & Co bekommen und hat danach den Großeinkauf geplant. Heutzutage ist wirklich alles jederzeit erhältlich, bestell- und lieferbar.
  • Noch dazu hat sich die Versandkostenfreiheit bei vielen Kunden als großer Vorteil ins Gehirn eingebrannt, da viele Online-Shops (Konkurrenz) immer noch Versandkosten verlangen.  
  •  Anfänglich hat Amazon zum Beispiel mit sehr vielen Gutscheinen und Coupons gelockt, auch wenn durch dieses Direktmarketing viel draufgezahlt wurde (vom Konzern). 
  • Durch die einfache Auflistung der Waren konnte jeder Kunde direkt den Preis vergleichen und seitdem scheint Amazon bei vielen Angeboten das beste Preis-Leistungsverhältnis zu haben.
  •  
  • Durch das Bewertungssystem erscheint der Amazon-Stern neben fast jedem Produkt wie eine kleine Beratung. Der Kunde ist neugierig und will wissen, was andere Käufer von dem Produkt halten. Im Einzelhandel ist es kaum möglich, soviele subjektive Meinungen zu einem potenziellen Produkte (vor dem Kauf) zu erhalten.
    Die Kundenanylse (mit Algorithmus) sehe ich als einzigen Nachteil. Im Hintergrund speichert Amazon meine angeklickten Produkte und Bestellungen, um mehr über mich als Kunden zu erfahren. Dadurch erhält man beim nächsten Besuch personalisierte Angebote und wird auch bei der Produkauswahl mehr oder weniger beeinflusst.
  • Aufgrund der Markenvielfalt erhält man nicht nur Mode und Elektrogeräte sondern auch spezielle Produkte direkt mit einem Mausklick, weil in jeder Sparte genügend Händler und somit Lieferanten vorhanden sind.

Im Bereich Bücher hat Amazon derzeit einen Marktanteil von über 90%, auch weil die Büchertitel schnell verfügbar sind und kostenlos verschickt werden. Wer mal 2-3x in der Woche bei einer Bücherei war und den vergriffenen Titel dauernd mit Wartezeit nachbestellen muss, wird schnell Kunde bei Amazon.
Auch wenn Bücher aufgrund der Buchpreisbindung überall gleich kosten, denken die meisten Leute, dass Amazon immer den günstigeren Preis hat^^


 
Warum Amazon so in der Kritik steht?
Im Prinzip ist das ganz einfach erklärt, da die hohe Kundenorientierung einen kleinen Teufelskreis beschwört.
  • Die Produktvielfalt und die niedrigen Preise sind nur möglich, wenn die Nebenkosten gering gehalten werden. 
  • Der schnelle Versand (& Abwicklung) funktioniert nur durch viele Lagermitarbeiter, die schnell & fehlerlos arbeiten
  • Der kostenlose Rückversand (incl. Umtausch) und lange Zahlungspausen dienen der Kundenbindung.

Zu den Kritikpunkten:
a) Unmenschliche Arbeitsbedingungen
b) extremer Leistungsdruck
c) Sklavenarbeit
d) Überwachungsmentalität

Die o.g. Punkte de Erfolges zeigen grundsätzlich die visionäre Idee des amerikanischen Großkonzerns Amazon. Kundenservice, Vertrauen und günstige Preise führen aber unweigerlich dazu, dass die Mitarbeiter keine "ruhige Kugel schieben" können.

Wenn man sich aber die Kritikpunkte mal genau ansieht, wird schnell klar, dass niemand, der in der Logistikbranche arbeitet, einen Faulenzerjob hat.
Derzeit gibt es auch einen "Undercover" Bericht in der Zeitschrift News, hier war eine Redakteurin für 2 Wochen bei Amazon im Einsatz!


a) Die Arbeitsbedingungen sehen wie folgt aus: 8h Arbeit, 50 Min Pause, 10-15km Laufen pro Tag. Entlohnung ab 9,55 (Stufe 1), 10,47 (Stufe 2), 10,99€ (nach 3 Jahren) pro Stunde.
Dass man als Lagerarbeiter zwischen den Regalen durchlaufen muss, um die korrekten Waren einzupacken, ist eigentlich irgendwo logisch und eine spezielle Anforderung der Logistik.
Vor einigen Monaten wurde aufgedeckt, dass eine sehr rechtsradikale Sicherheitsfirma dort die Abläufe überwacht und die ausländischen Leasingarbeiter drangsaliert. Nachdem dies an die Öffentlichkeit gekommen ist, wurde aber von Amazon eine neuer Security-Dienst in Anspruch genommen.

d) Der Leistungsdruck besteht im Prinzip bei jedem Schichtsystem. Da von den Mitarbeitern eine bestimmte Menge an Artikeln (200 Pakete pro Stunde) verlangt werden, besteht auch ein gewisser Leistungsdruck. Wer dem Leistungsdruck standhält und wenig Fehler beim Einsortieren macht, erhält zum Grundlohn zusätzlich eine Leistungsprämie (+12%). Überstunden in der Vorweihnachtszeit werden auch entsprechend überbezahlt und sind daher sehr gefragt

c) Das Thema Sklavenarbeit finde ich einfach nur lächerlich aufgespielt, da jeder Arbeitsvertrag freiwillig geschlossen wird. Wer bei Amazon nicht mehr arbeiten kann oder will, kann jederzeit kündigen.
Auch muss ich anmerken, dass Amazon viele ungelernte Hilfskräfte einstellt und somit in den entsprechenden Regionen den Arbeitlosen einen Job vermittelt. In einigen ostdeutschen Bundesländern gehen Friseure für 5-6€ die Stunde arbeiten und das trotz Ausbildung.


d) Die Überwachungsmentalität ist sicherlich ein amerikanisches System. Durch die Barcode-Scanner wissen die Führungskräfte jederzeit wie aktiv und effektiv ein Mitarbeiter arbeitet. Dadurch erfolgt auch eine Analyse der eigenen Leistung (incl. Fehler), was dazu führt, dass man sich ständig kontrolliert und überwacht fühlt.
Um Diebstählen vorzubeugen müssen auch alle Mitarbeiter durch eine Sicherheitschleuse und dürfen nur eine durchsichtige Trinkflasche verwenden.


Fazit:
Die meisten Kritikpunkte sind einfach nur lächerlich und auf jedes x-beliebige Unternehmen übertragbar! Es wird niemand gezwungen bei Amazon zu arbeiten und daher ist mein Mitleid mit den Mitarbeitern auch nur begrenzt vorhanden...
Die Kritik an geringen Stundenlöhnen ist genauso unhaltbar, da es keine Mindestlöhne in Deutschland gibt. Wenn ungelernte Hilfskräfte über 8€ die Stunde bekommen, ist das völlig angemessen, auch weil sie sich hocharbeiten können und Erfolgsprovisionen erhalten.
In der Kantine gibt es gratis Kaffee und das Mittagessen gibt es unter 3€.

Häufig kommen die Kritikpunkte aus Regionen, wo die Arbeitslosigkeit recht hoch ist. Die (meist jungen) Leute, die dann zum ersten Mal richtig arbeiten müssen, fühlen sich ausgenutzt und unterbezahlt. Letzendlich muss man dem einen oder anderen Arbeitslosen die rosarote Brille von der Nase nehmen und mit der Realität konfrontieren:

In der echten Welt muss man arbeiten und sich bewegen, erst recht wenn man keine Ausbildung hat.
Spitzenentlohnung über 15€/h gibt es nur im Traumland.
Die Arbeit bei Amazon ist hart (da täglich 15km zu Fuss), aber auch woanders bekommt man nichts geschenk...


Warum es nicht zum Streik kommen wird:
Die Leute, die dort weiterhin arbeiten wollen (Aufstiegchancen), werden sich nicht der Gewerkschaft und den Streikenden anschließen.
In einem normalen Lager arbeiten 3000 Mitarbeiter (700 Festangestellte) und zusätzlich 1500-1600 für die Weihnachtszeit. Wer sich hocharbeiten will und eine Festanstellung anstrebt, muss 2 Jahre durchhalten und Leistung bringen.
Somit werden sich maximal die Leasingarbeiter am Streik beteiligen, die nur für Weihnachten (Zusatzverdienst) bleiben wollten.


Amazon Boykott?

Sein wir mal erhlich. Wer ab jetzt Amazon boykottieren will, weil die Mitarbeiter dort so "schlecht" behandelt werden, hat eine ziemlich naive und kindliche Sicht auf die Wirtschaft & Globalisierung.
Sorry, aber das ist leider die Wahrheit!

Für jeden Artikel, den wir günstig (Preis unter dem innländischen Produktionswert) einkaufen, muss irgendwo ein armes Schwein dafür schuften. Das ist allgemein so und wird auch immer so bleiben...

  • Jede Banane aus Latainamerika wird billigst produziert und richtig arme Menschen müssen dort mit Giftstoffen hantieren und schwere Stauden schleppen (Link).
  • Jedes Päckchen Kaffee (unter 5€) aus dem Supermarkt wird durch Ausbeutung der Bauern realisiert (LinkLink2). Fairtrade Bauern bekommen mind 1,25€ pro 450g Kaffee (Link).
  • Billigkaffee unterstützt die Zerstörung der Umwelt und Ausbeutung der Region (Link)
  • Jedes billige T-Shirt (unter 10€) kann nur durch Kinderarbeit & Ausbeutung ermöglicht werden. Sicherheitsstandard wie in Europa sind da preislich nicht möglich. (Link1). In den großen Produktionshallen in Indien, China und Türkei herrschen wirklich unmenschliche Arbeitsbedingungen!(Link)

Wer also im normalen Leben weder Fairtrade, noch Bioprodukte (regional, Bauernhof) kauft und auch sonst die Vorteile der Globalisierung ausnützt*, unterstützt tagtäglich die soziale Ungerechtigkeit und die Armut in sozial schwachen Ländern.

*Mit Ausnützen ist praktisch jeder gemeint, der nicht 100% Produkte aus dem Innland kauft und verwendet.

Denn dann braucht man bei einem Amazon Skandälchen auch nicht pikiert die Nase rümpfen! 


Fazit:
Ja ich kaufe weiterhin bei Amazon ein!




Quellen:
E-Commerce,  
Skandale

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