Samstag, 18. Mai 2013

Ein Autounfall und die finanziellen Folgen

Schon mal einen Autounfall gehabt? Ich hatte letzte Woche im Feierabendstau die Möglichkeit, einen ungebremsten Auffahrunfall LIVE und in FARBE mitzuerleben. Obwohl ich keine Schuld trage, stehe ich nun ohne Auto da und muss mir ein Neues suchen.

Die Sache mit der Geschwindigkeit und Abstand ist ja für die meisten Leute nur Theorie und eh irgendwie ganz unwichtig. Aber alles der Reihe nach.

Ich fahre also auf einer vielbefahrenen Strecke nach Hause, wo es sich in der Rush Hour oft staut.  In der Fahrschule lernt man ja oft, dass man den halben Tacho als Bremsweg rechnen muss. Da ich auch schon beim ÖAMTC Verkehrsicherheitstraining mitgemacht habe, kann ich bestätigen, dass mind. 50% aller Autofahrer eine viel längere Reaktionszeit haben. 1 Sekunde ist nicht viel Zeit und gerade abgelenkte oder ältere Menschen tendieren dazu, langsamer zu reagieren.

Fährt man also 70km/h und bremst bei einem Hindernis sofort, hat man ungefähr einen Bremsweg von 38-40m (gute Reifen, gute Reaktion!) mit ABS.

Problem 1: Die meisten Menschen denken sich: "Das schaff ich noch!" und bremsen in Teilstücken. Erst wenn es eng wird oder der Vordermann stärker bremst (Thema Oh oh), wird eine Vollbremsung durchgeführt.

Problem 2: Abgelenkte Menschen (Handy etc), bremen zu spät. Hier ist die Methode praktisch egal, da es eh knallt. Pro Sekunde Ablenkung legt man bei 70km/h genau 24m Fahrt hin.


TO-DO LISTE


Was ist also passiert:
Ich fahre in einer Autokolonne von Wels nach Hause auf der Bundesstraße. Aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens mit vielen LKW und PKW ist es praktisch nicht möglich die erlaubten 100km/h zu fahren, ein Überholen eh unmöglich.
Also fahre ich schon die letzten 4-5km im gedrosselten Tempo (ca. 85km/h) und erreiche mit den anderen Autofahrern den nächsten Ort, der mit 70km/h beschildert ist. Da sich bei der Ortseinfahrt oft ein Stau bildet (Bahnübergang + Firmenausfahrt) muss man hier also besonders aufpassen.

Die letzten10 Minuten ist mir eine junge Frau in einem gelben Auto hinterhergefahren und war rege beschäftigt (telefoniert, mit der Nachbarin gequatscht etc). Das hat mich noch total genervt, weil sie lautstark im Auto rumgebrüllt hat.

DENN pünktlich zur Rushhour passiert genau das, was jeden Tag an der gleichen Stelle stattfindet: Der Verkehr staut sich stückchenweise (immer 10 Autos) und ich fange an zu bremsen, daher fahren wir nur noch 50km/h. Offensichtlich ist aber dann irgendjemand weiter vorne in der Schlange plötzlich stehen geblieben, um einen LKW vorzulassen oder ähnliches und ich musste noch stärker abbremsen, bis zum Stillstand.
Offensichtlich hat jedoch die Vieltelefoniererin schon den ersten Bremsvorgang überhaupt nicht mitbekommen und dementsprechend auch nicht gebremst.
Ich habe dann nur noch im Rückspiegel eine große gelbe Wolke ziemlich schnell herankommen gesehen. Das war nämlich ihr Auto. Und ich habe mich noch gewundert, warum sich der kleine gelbe Punkt so schnell vergrößert.
Dann hat es nur noch geknallt und ich als letztes Fahrzeug wurde auf 2-3 andere Fahrzeuge geschoben. Die Telefoniererin ist nämlich ungebremst auf mein Auto gefahren, weil sie einfach gepennt hat.

Ergebnis: Totalschaden.

Man möchte gar nicht glauben, wie stark die Airbags rauchen, nachdem sie gezündet wurden. Auf jeden Fall muss man schnell aus dem Auto raus, da im Straßenverkehr (Stauende) die Gefahr besteht, dass ein weiterer Unfall passiert. Erst recht auf einer vielbefahrenen Straße.

TAG 1: UNFALL
1. NOTRUF: Nachdem sich alle irgendwie aus ihren Fahrzeugen befreit haben, wurde die Polizei und der Rettungswagen angerufen. 
2. VERLETZUNG: Da niemand lebensbedrohlich verletzt war, reichte ein Pflaster und was zu Trinken.
3. ABSICHERUNG: Unfallort absichern. Warnweste anziehen.
4. DATEN! Unfallverursacher nicht entkommen lassen. Zumindest das Kennzeichen ist wichtig, bereits dadurch kann man den Versicherer online herausbekommen.
4. BERICHT: Wenn möglich einen Unfallbereicht ausfüllen und unterschreiben lassen.
5. Eigene Versicherung anrufen. Eine Schnellmeldung führte dazu, dass der Abschleppwagen kam.
6. Familie informieren: Da ich meinen Hund dabei hatte, habe ich jemanden angerufen, damit ich Unterstützung habe
7. POLIZEI: Die Polizei hat einen Alkoholtest durchgeführt und die Daten aller Beteiligten notiert.
8. ABSCHLEPPEN: Das Unfallauto muss ja abtransportiert werden und deswegen sollte man alle wichtigen Sachen entnehmen.
9. LEIHWAGEN: Je nach Versicherung (Leistungen) erhält man einen Leihwagen bis zu 7 Tage.

Tag 2: Zur Werkstatt fahren und weitere Vorgehensweise besprechen. Das Auto muss begutachtet werden (Restwert). Zusätzlich sollte man ins Krankenhaus fahren, um einen Bericht über Verletzungen zu erhalten (Thema Schmerzensgeld)

Tag 3:  Um nicht beschissen zu werden, muss man den eigenen Zeitwert des (vorher fahrtüchtigen) Autos kennen. In der Eurotax Liste kann man sich den aktuellen Wert des Fahrzeuges berechenen lassen. Pro Jahr kann man das 5x kostenlos durchrechnen lassen (Arbeiterkammer)

Tag 4-7:  In dieser Zeit sollte man sich nach einem neuen Fahrzeug umsehen. Mit dem Eurotax-Wert hat man einen guten Ansatzpunkt, wieviel Geld man ungefähr bekommt. Da der Leihwagen nur 7 Tage zur Verfügung gestellt wird, muss man sich evtl. bei Bekannte/Freunde ein Auto leihen, um einen Schnellkauf zu vermeiden.

Tag 8: Das Gutachten der gegnerischen Versicherung war fertiggestellt und nach einigen Telefonaten wusste ich auch endlich bereit. Mein Fahrzeug war auf dem freien Markt 6.500€-6.800€ in dieser Ausstattung wert.
Der Zeitwert (Eurotax) betrug nur 5.400€, aufgrund der gefahrenen Kilometer (Soll/Istwert für das Baujahr).

Tag 9: Die Polizei wollte sich eigentlich wegen einer Einvernehmung melden, da das aber nicht passiert ist, bin ich direkt selber (mehrfach) hingefahren. Man muss genau den Kollegen erwischen, der auch am Unfallort war und die Daten aufgenommen hat.

Tag 10: Die gegnerische Versicherung hat endlich einen Brief geschickt. Das Auto ist Totalschaden! Der Zeitwert ist genau der Eurotax-Wert und ich muss nur noch eine Kontonummer angeben. Mit der Abfindungserklärung soll ich mich bereit erklären, alle weiteren Ansprüche verfallen zu lassen. Gehts noch?
Der Zeitwert (5.400€) wird zu 2/3 von der Versicherung beglichen, den Rest bringt das verkaufte Autowrack.


Tag 11: Das Auto bei der Versicherung abmelden, da Totalschaden. Weil ein Kennzeichen zerstört wurde, muss ein Neues bestellt werden (9€). Das Kennzeichen behalten wir für das "neue" Auto.

Tag 12: Probefahrten und Abwarten.

Tag 13: Da die gegnerische Versicherung das Autowrack in eine Versteigerungsbörse gestellt hat, müssen wir uns nun entscheiden, welche Firma das Auto bekommen soll. Der höchste Bieter wird kontaktiert und verspricht, sich bald zu melden.


Tag 14: Besuch beim Rechtsanwalt. Dank Kfz-Rechtschutzversicherung werden bei einem Streit alle Kosten übernommen. Aufgrund kleinerer Verletzungen gibt es etwas Schmerzensgeld, Spesen für den Aufwand und wahrscheinlich Betreuungsgeld, da ich ja nichts im Haushalt machen konnte^^.
Der Rechtsanwalt setzt ein Schreiben auf, dass die Kohle mal überwiesen wird.


Tag 15: Autokauf (selbstfinanziert). Da noch kein Geld da ist, müssen wir alles finanziell vorstrecken.

Tag 16: Neues Auto anmelden. Kosten: 168€, Vignette: 80€, Kennzeichen 9€

Tag 17: Anmeldekosten als Kopie an den Rechtsanwalt schicken.
...
Tag 28: Das Autowrack wird endlich abgeholt und das erste Geld fließt.

Tag 29: Immer noch kein Geld von der Versicherung.

Tag 30: Anruf beim Anwalt: Der Restwert des Autos wurde bereits überwiesen. Der Rest wird verhandelt.

Tag 32: Geld vom Anwalt ist da. Der Rest vom Zeitwert (5400€) wurde nun endlich beglichen.

Tag 33: Die gegnerische Versicherung hat sich prompt zurückgemeldet und anstandslos Schmerzensgeld & Vignette usw. bezahlt: 1000€

.....

1 Jahr später:
Unfallverursacherin wird zu einer Geldstrafe verknackt. Urteil: fahrlässige Körperverletzung (Ich habe mir die Hände verbrannt und hatte einige Hämatome).




Kommentare:

  1. Ob wohl es allgemein bekannt ist das die meisten Unfälle durch zu dichtes auffahren passieren sehe ich es immer wieder das Auto Fahrer und manchmal auch Lkw Fahrer zu dicht an einander Fahren, zu Glück gehen seit Jahren die Unfallzahlen runter aber viele haben dieses Problem immer noch nicht begriffen.

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  2. Ja, die meisten Unfälle passieren wegen solchen Unachtsamkeiten. LKW fahren ja gerne im Windschatten des Vordermans....

    Übrigens wurde die Unfallverursacherin JETZT (also 1 Jahr später) zu einer Geldstrafe wegen fahrlässiger Körperverletzung verdonnert. Dieser Prozess wurde automatisch eingeleitet (ich hatte damit nichts zu tun).

    Strafe: 200€

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  3. Ich gehöre zu den die alles ausprobiert haben, Lkw, Auto und auch Fahrrad, Beispiel werden Radfahrer und Autofahrer gerne mal von Lkw Fahrer übersehen, aber Oft denken Auto und Radfahrer das so ein Lkw in 3 Sekunden zum stehen bleibt. Bei dir ist es ja nochmal gut gegangen.

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Sag was, ich beiße nicht ;-)

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