Mittwoch, 24. April 2013

Sterbegeldversicherung (Sinn & Unsinn)

Meine Eltern haben sich vor kurzer Zeit eine Sterbegeldversicherung "andrehen" lassen, die mich etwas aufhorchen ließ. Auf Nachfrage konnte sie mir nicht die "Sparsumme" bzw. Versicherungsdauer sagen, was sicherlich bei einigen Versicherten so ist. Noch dazu sind meine Eltern erst Anfang 50 und wenn ich auch den Vorsorgegedanken gut finde, war ich überrascht.. Weiterhin bin ich bei Versicherungen allgemein recht skeptisch, da in erster Linie der Versicherungsmakler (Provision) und das Unternehmen (Verwaltungsgebühren & Märchengebühren^^) profitieren.
Natürlich funktionieren Versicherungen allgemein nur über den Solidaritätsgedanken, da 100 Leute einzahlen und 1 dann (Unfall etc) dann die Leistung erhält...


Da ich ja regelmäßig beim Bestatterweblog lese (sehr interessant), habe ich mir mal die Mühe gemacht, etwas nachzurechnen (mach ich ja gerne^^).
Wer sich in ruhigen Zeiten nicht über solche besonderen Dienstleistungen informiert, muss im Trauerfall (Gedanken woanders) oft viel blechen...

Genauso ist das auch mit Versicherungen, aber die Sterbegeldversicherung nimmt hier einen Sonderfall ein, denn: gestorben wird immer! Anders als bei einer Unfall- oder Hausratversicherung, nimmt ein Großteil der Einzahler letztendlich auch die Leistung (Bestattung) in Anspruch.


 
1.  Lohnt es sich mit fortgeschrittenem Alter eine Sterbegeldversicherung (statt Sparbuch) abzuschließen oder nicht?

2. Sollte ich als junger Mensch auch für den Notfall vorsorgen?














Was kostet derzeit eine Bestattung in Deutschland mit allem Schnickschnack?

a) Sterbeurkunden: (Leichenschau) ca. 30-230€
b) Kirche & Friedhof (Trauerhalle, Träger): 750€ - 1700€
c) Zeitung:100-150€
d) Bestatter (Sarg ab 300€, Kissen, Ankleiden bzw. Urne): Minimum 1.000€
e) Steinmetz: Stein 1.500€, Aufstellung ab 150€
f) Grabanlage: 200€ - 1500€
g) Grabschmuck: 150€ -500€
h) Leichenschmaus (je nach Besucheranzahl) 400-500€
i) Grabnutzungsgebühren: ab 200€
j) Notar & sonstige Regelungen

Somit muss man mit 4.500€ als absolutes Minimum rechnen. Je nach Extraleistung sind 6.000€ realistisch angesiedelt, wenn man die Preisentwicklung mitberechnet. Quelle: Stiftung Warentest,

Grabsteine kann man sich preislich hier ansehen. Wirklich tolle Steine sind ab 2.000€ zu haben.




Kostenvergleich
Da niemand weiß, wann er letztendlich stirbt und niemand von einem Unfalltod (Fremdverschulden) gefeilt ist, lohnt es sich so oder so etwas zurückzulegen und vorzusorgen.
Beim oben genannten Beispiel benötigen wir 6.000€ für unser irdisches Ableben. Natürlich kann man als wohlsituierter Rentner schnell mal diese Summe weglegen, aber darum geht es nicht.

Die Sterbegeldversicherung (allgemeine Absicherung) soll nicht nur die Summe XY für den Fall der Fälle bereithalten, sondern diesen Wert auch lebenslang sichern (Inflationsschutz).


Wenn man sich die Alternativen ansieht, gibt es leider einige Nachteile.

a) Sterbegeldversicherung + zweckgebunden +langer Versicherungsschutz +kein Gesundheitscheck - schlechte Rendite
b) normale Ablebensversicherung -Gesundheitscheck + bessere Rendite (Fonds, Aktien) möglich
c) Sparbuch / Sparvertrag: + gute Rendite - keine Inflationsanpassung - keine Deckung bei vorzeitigem Tod
d) Geld unter dem Bett verstecken: +sehr sichere Aufbewahrung (Finder!) - könnte unentdeckt bleiben - keine Rendite




1. FRAGE: Lohnt es sich mit fortgeschrittenem Alter eine Sterbegeldversicherung  abzuschließen oder nicht?
Antwort: Wenn man nicht schwer sterbenskrank ist: Ja


a) Annahme Sparbuch (6000€)
1. Person w, 60 Jahre alt  (Lebenserwartung: 82): 23€ monatlich sparen
2. Person m, 60 Jahre alt  (Lebenserwartung 77 J): 30€ monatlich
3. Person w, 68 Jahre alt (Lebenserwartung 82): 36€ monatlich
4. Person w, 72 Jahre alt (Lebenserwartung 82): 50€ monatlich
5. Person w, 55 Jahre alt (Lebenserwartung 82J): 18€ monatlich

Um die pot. Bestattungskosten in Höhe von 6000€ im restlichen (statistischen) Leben anzusparen, müsste die 1. und 5.Person 23€ monatlich ansparen (ohne Zinsberechnung). Die 2. Person müsste fast 30€ ansparen (17 Jahre lang). Sterben beide früher, ist nicht genügend Geld vorhanden und ein Inflationsschutz besteht auch nicht...




b) Vergleich Sterbegeldversicherung
Die 1.+2 Person w/w, 60 Jahre alt  (Lebenserwartung: 82) zahlen 26€ monatlich (Beitragsdauer bis 85)

Hier muss man mindestens 3 Jahre eingezahlt haben, um die volle Todessumme (6000€) zu bekommen (Ausnahme Unfall*). Die 1. Person hat dann also nur 940€ eingezahlt und bekommt ein stattliches Begräbnis.
Da seit letzten Jahr Unisex-Verträge gelten, ist das Geschlecht des Versicherungsnehmers egal.
Weil die Beitragsdauer bis zum 85. Lebensjahr besteht, zahlt man hier ziemlich lange ein und würde wahrscheinlich mit einem Sparbuch besser wegkommen (wenn konsequent eingezahlt wird).

*Gilt oft nur für Unfalltod, nicht für Krebstod - dann gilt weiterhin 3 Jahre Wartezeit.



Die 3. Person - 68 Jahre alt (Lebenserwartung: 82): zahlt 40€ monatlich.
Die 4. Person - 72 Jahre alt zahlt 57€ bzw. 76€ (Unfalltodesschutz) monatlich.

Die älteren Versicherungsnehmer müssen natürlich bei einem späten Einstieg mit höheren Beiträgen rechnen. Hier sollte man unbedingt das Kleingedruckte lesen, ob auch bei einem Krebstod in den ersten Jahren ein Anspruch auf Leistungszahlung besteht. Spätestens nach Renteneintritt lohnt es sich über eine Sterbegeldversicherung nachzudenken. Sterblichkeit D.


Die 5. Person - 55 Jahre alt (Lw 82) zahlt 22€ monatlich

Interessant ist der Beitrag für die 5. Person mit 55 Jahren. Sie könnte entweder 27 ! Jahre lang auf ein Sparbuch 18€ einzahlen, um auf die 6.000€ zu kommen...., oder aber 22€ in eine Sterbegeldversicherung bis zum 85 Jahr (nur 10 Jahre lang= 39€). Der Betrag ist recht günstig und nach 3 Jahren hat man bereits Anspruch auf die volle Leistung. So sichert man sich jahrelang günstige Beiträge, ist aber bis zum Todesfall versichert. Ab dem 85. Lebensjahr braucht man garnichts mehr zahlen...

Bei einem höheren Eintrittsalter steigt logischerweise der Monatsbetrag, aber oft verkürzt sich die Wartezeit (24 M.). Im schlimsten Fall zahlt man also 2-3 Jahre ein und ist voll versichert.Vergleichsrechner



Für wen lohnt sich also die Sterbegeldversicherung ?
a) Personen, die gesundheitlich noch mindestens 3 Jahre fit sind
b) ältere Menschen ab 65, die das Geld zweckgebunden sparen möchten
c) ältere Menschen, die finanziell schlecht gestellt sind

Fazit: Wenn man die 6.000€ kurzfristig ansparen kann (also mind. 166€ für 36 Monate) und jung ist, lohnt sich so eine Ansparform nicht. Eine reine Risiko-Lebensversicherung (oft als Kreditrücksicherung) kostet für junge Menschen weniger und ist dann früher beitragsfrei, falls man eine Familie absichern möchte. Auch die Todesfallsumme (Bsp. 150.000€) kann man damit viel günstiger versichern.

Ab 65 Jahren finde ich diese Sterbegeldversicherung nützlich, da man nur unwesentlich mehr zahlen muss (gegenüber Sparbuch) und ja bereits nach 3 Jahren voll versichert ist. Steigt man mit 60 Jahren ein, ist der Monatsbetrag sehr gering und für fast jeden leistbar.

Wer bereits eine Lebensversicherung abgeschlossen hat, benötigt im Prinzip keinen Zusatzt, da ja hier schon eine Todesfallsumme enthalten ist. Alternativ deckt eine Unfallversicherung einen Unfalltod und so ist man oft doppelt und dreifach versichert.




2. FRAGE: Sollte ich als junger Mensch auch für den Notfall vorsorgen?
Antwort: Definitiv ja 

Sicherlich sollte man sich auch in jungen Jahren über die letzten Stunden Gedanken machen. Ob man als Single (ohne Familie) wirklich 6.000€ für ein Begräbnis ansparen will, ist eine andere Frage.
Sobald man aber jemanden "hinterlassen" würde (evtl. mit finanziellen Belastungen) ist ein Geldpolster und eine Vorsorge nicht ganz unsinnig.

Die meisten Menschen verlieren in den 50igern (durchschnittlich) ihre Eltern und machen sich dann zum ersten Mal selbst Gedanken über den letzten Lebensabschnitt. Oft ist man dann überfordert und möchte ja das Beste für den geliebten Menschen abschließen, der soeben gestorben ist. Aber in hektischen Zeiten hat man weder einen klaren Kopf, noch den gewissen Durchblick bei solchen Dienstleistungen. 

Neben einer Patientenverfügung wird dann auch eine Abelebensversicherung in Betracht gezogen und in den wenigsten Fällen eine Vorsorge getroffen. 
Viele Menschen wissen ungefähr, wie sie bei schwerer Krankheit oder nach einem Unfall ohne Heilungschancen nicht dahin vegetieren wollen. ABER schriftlich festhalten, wollen das nur 4% der Bevölkerung (Deutschland

Eine verbindliche Patientenverfügung ist nur gültig, wenn man sich vom Hausarzt beraten hat lassen und die Verfügung beim Notar beglaubigt wurde (muss alle 5 Jahre erneuert werden).
Nur so kann man zu "Lebzeiten" (geistig voll da) sicherstellen, dass die eigenen Wünsche im Eventuallfall berücksichtigt und respektiert (künstliche Ernährung, lebensverlängernde Maßnahmen) werden.

Genau das gleiche Problem besteht bei einer "ungeplanten" Bestattung. Wenn man sich nicht rechtzeitig über diese Dinge informiert und Vorkehrungen trifft, muss man damit zufrieden sein, was die Hinterbliebenen später organisatorisch und finanziell auf die Beine stellen. Natürlich ist man zu diesem Zeitpunkt (Beerdigung) nicht mehr lebendig anwesend und kann sich eh nicht wehren^^, aber persönliche Wünsche können nun mal nur vom frisch Verstorbenen geplant werden. VORHER.

Versicherung:
Da ich als junge Person theoretisch noch lange Zeit habe, meine Beerdigung zu organisieren (oft zahlen Eltern dann), hat man auch viel Zeit den Zinseszins-Effekt auszunutzen. Je früher ich nämlich einen Betrag X anspare, desto mehr rentiert sich die Sparform durch die reinvestierten Zinsen. Je länger die Sparzeit, desto höher also der Effekt. Daher sind die Beiträge für junge Versicherungsnehmer sehr günstig....

Bsp. Ich spare monatlich 50€ für 10 Jahre oder ich spare 2 Jahre 250€.
1. Monatsparer (3% Zinsen pa) 6000€
Nach 10 Jahren habe ich 6.990€ gespart (6000 eingezahlt)

2. Seltensparer (6000€)
Nach 2 Jahren habe ich nur 6.188€ incl. Zinsen gespart


SPARBUCH:
Wenn ich das Geld langfristig nicht anfassen will, reicht sogar ein kleiner Sparbetrag.
Für 30€ monatlich (3% pa) bekomme ich nach 20 Jahren fast 10.000€, wobei nur 7.200€ eingezahlt wurden.
Bei 30 Jahren spart man sogar 17.450€ an (nur 10.800€ eingezahlt) als Beispiel für den ZinsesZins-Effekt.




Fragen kostet nichts... Wie bei jedem wirtschaftlichen Unternehmen gibt es schwarze Schafe und daher lohnt es sich, sich in die Materie einzulesen. Auch ein Besuch in einem Bestattungsinstitut ist weder makaber, noch unglücksbringend.
Wer sich nicht traut, den Mund aufzumachen (um zu Fragen), muss später zahlen...

Mit einer genauen Übersicht an Leistungen kann man Preise vergleichen und sich das Beste Angebot in Ruhe aussuchen. 

Eine ziemlich umfassende und detailierte Informationssammlung gibt es beim Bestatterweblog.
Wer schwarzen Humor nicht abkann oder allgemein sensibel besaitet ist, nicht klicken^^


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